Marco Cortesi - das charmante Bündner Sprachrohr der Stadtpolizei Zürich. (Bild: Radio Zürisee)

Marco Cortesi

Fast 30 Jahre lang war Marco Cortesi Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. Mit 65 Jahren geht er nun in Pension. Im Radio-Zürisee-Interview spricht er über seine gefährlichsten, traurigsten und lustigsten Einsätze – und warum er nie etwas anderes machen wollte.

Marco Cortesi hat in seiner Zeit bei der Stadtpolizei Zürich viel erlebt: spektakuläre Verbrechen, haarsträubende Überfälle und menschliche Tragödien. 28 Jahre war er Stapo-Sprecher. Er war an der Front dabei bei den 1. Mai-Demos, berichtete über den Jahrhundert-Kunstraub in der Villa Bührle, die Geiselnahme mit drei Toten in Wiedikon, den Amoklauf bei der ZKB oder den Grossbrand im Zunfthaus zur Zimmerleuten. Was ihm am meisten in Erinnerung bleiben wird, sind aber nicht die grossen Fälle. Viel eindrücklicher sei, wenn etwas Tragisches passiere. Wenn jemand verunfallt oder stirbt. «Das lauft einem lange nach», meint Marco Cortesi.

Seine Bekanntheit habe ihn auch schon in brenzlige Situationen gebracht. So wurde er nach einem Fussballspiel von Fans in einem Tram erkannt. «Es wurde recht bedrohlich. Ich hatte zum Glück ein Funkgerät dabei und konnte einen Notruf absetzen» – seither habe er bei Einsätzen Personenschützer dabei. Trotzdem: etwas anderes als Polizist sein habe er nie machen wollen. Da änderte auch sein Schauspieler-Auftritt im Kinderfilm «Mein Name ist Eugen» nichts. 

Auch die Medienlandschaft hat sich während Cortesis Zeit als Stapo-Sprecher stark gewandelt. Am Anfang gab es nur Radio Beromünster, heute gehört Twitter und Instagram bei der Medienarbeit dazu. «Es war ein extremer Wandel», sagt Marco Cortesi. «Zu Beginn war ich beeindruckt, dass Journalisten innert weniger Stunden auf Sendung können. Heute werden die Medienkonferenzen schneller gesendet, als ich zurück im Büro bin». Das Wichtigste in seinem Job sei die Glaubwürdigkeit. Allerdings gibt er zu, dass er auch schon Fake-News verbreitete: «Ein Polizeiauto hatte an der Bahnhofstrasse einen Mann überfahren. Ich erzählte den Medien, dass der Streifenwagen im Schritttempo fuhr - das hatten mir die Polizisten erzählt. Eine Augenzeugin berichtete, das Auto habe Vollgas gegeben. Wie sich später herausstellte, hatte sie recht».

Er freue sich auf die Zeit der nach der Stapo, sagt Marco Cortesi. Auf eine Zeit ohne Termine, ohne Verpflichtungen. Aber er habe 30 Jahre einen Job gemacht, den er sehr geliebt habe. Und er werde sein Team sehr vermissen. Für die Zeit nach der Pensionierung plant Marco Cortesi eine zweite Karriere als Kommunikationsberater: «Ich habe so viel Erfahrung gemacht und will das gerne auch weitergeben». Zeit für Radtouren, Bergwanderungen und das Engadin müsse aber auch drin liegen. 

Daheim am Zürichsee und im Engadin

Geboren und aufgewachsen ist Marco Cortesi im Engadin. Nach der Postlehre machte er das Handelsdiplom. Seine Freundin riet ihm damals, zur Polizei zu gehen. Angefangen hat er als Streifenpolizist, war bei der Kripo und hat bei der Zürcher Kantonspolizei Gefangentransporte gemacht. 1992 kam er zur Pressestelle der Stadtpolizei Zürich, wo er seit 2007 Infochef ist. 

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