Abläufe und Kontrollen am USZ sollen verbessert werden. (Bild: Keystone)

Externes Gutachten

Unispital soll zur Ruhe kommen

Um Unregelmässigkeiten am Zürcher Universitätsspital (USZ) in Zukunft zu verhindern, hat die Gesundheitsdirektion ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses liegt nun vor: Es enthält 29 Empfehlungen, die nun geprüft werden.

Das Gutachten sollte klären, wo strukturelle Probleme im Zusammenhang mit dem USZ bestehen und wie die Gesundheitsdirektion ihre Aufsicht verbessern könnte. Die 29 Empfehlungen würden nun geprüft, teilte die Zürcher Gesundheitsdirektion am Freitag mit. Wie lange das dauert und was davon umgesetzt wird, ist offen.

Das Gutachten enthält unter anderem Empfehlungen zu verbesserter Organisation, besseren Schnittstellen, zum Umgang mit Interessenbindungen und Nebenbeschäftigungen sowie auch Empfehlungen zum Umgang mit Whistleblowern. Das USZ wurde harsch kritisiert, denn es hatte den Whistleblower im «Fall Maisano» erst entlassen und dann wieder eingestellt. Danach wurde der Vertrag mit ihm erneut aufgelöst.

Je nach dem, was von den 29 Empfehlungen umgesetzt wird, würden dabei auch andere Direktionen oder der Spitalrat einbezogen, schreibt die Gesundheitsdirektion. Einige der Empfehlungen würden eine Änderung des USZ-Gesetzes voraussetzen, etwa das Weisungs- und Kontrollrecht des Spitaldirektors gegenüber den Klinik- und Institutsleitungen.

«Die optimale Versorgung aller Patienten ist uns wichtig. »
Natalie Rickli, Gesundheitsdirektorin (SVP)

Das wichtigste sei, dass bei der Umsetzung der Massnahmen der operative Betrieb des Spitals nicht beeinträchtigt werde. Noch ausstehend sind die Empfehlungen der kantonsrätlichen Subkommission, die in den ersten Monaten des kommenden Jahres publiziert werden sollen. Auch diese sollen dann in die Gesamtbeurteilung einfliessen. Wie die Subkommission am Freitag gleich nach der Publikation des externen Gutachtens mitteilte, werden ihre eigenen Empfehlungen in eine ähnliche Richtung gehen.

Implantate der eigenen Firma verwendet

Auslöser für die Unruhe am USZ waren Medienberichte über den Leiter der Herzchirurgie, Francesco Maisano. Ihm wird vorgeworfen, Implantate einer Firma verwendet zu haben, an der er selber beteiligt ist, und diese Interessenbindung nicht deklariert zu haben. Zudem soll er Operationsberichte geschönt haben. Maisano arbeitet inzwischen nicht mehr am USZ. Das Spital reichte Strafanzeige gegen ihn ein. Auch andere Spitzenmediziner sorgten für Kritik. So soll etwa der ehemalige Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie systematisch Patienten zur Behandlung an seine private Praxis überwiesen haben. Der ehemalige Klinikdirektor für Gynäkologie soll es zudem geschafft haben, drei Frauen gleichzeitig zu operieren - und entsprechend Rechnung zu stellen. (sda/md)

Erstellt am: 20. November 2020