Kann Spuren von Pestizid enthalten: Milch von Alpkühen. (Bild: Keystone-SDA)

Trügerische Idylle

In der Alpmilch hat es Pestizide

Wenn Kühe frische Alpenkräuter fressen, liefern sie wohl besonders gute Milch. Und wenn sie zusätzlich noch das Bio-Label tragen, dann kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Müsste man meinen. Laut Konsumentenmagazin «Saldo» hat es aber in Alpmilch – auch Bio – Pestizide.

Hoch oben auf den Alpen sollte die Welt noch in Ordnung sein, die Landschaft frei von Pestiziden und anderen Giften. Die Bauern setzen aber auch auf den Alpweiden Herbizide ein. Sie bekämpfen damit unerwünschte Kräuter wie Sauerampfer, Disteln oder Germer. Das schreibt das Konsumentenmagazin «Saldo» in der neuesten Ausgabe.

Von den 6740 Alpbetrieben kommen nur bei 210 garantiert keine Pestizide zum Einsatz. Deshalb sömmern viele Kühe von Bio-Betrieben notgedrungen auf Alpen, wo Pestizide verspritzt werden. Auf der Alp dürfen die Bauern die Milch dieser Bio-Kühe nur als konventionelle Milch verkaufen. Wenn die Kühe wieder im Tal sind, wird ihre Milch ab dem ersten Tag als Bio-Milch verkauft. Pestizid-Rückstände in der Milch sind dann möglich.

Keine Anpassung der Richtlinien

Die grösste Schweizer Bio-Organisation «Bio Suisse» befürwortet ein Pestizidverbot auf Alpen. Eine Anpassung der Richtlinien für Bio-Milch will «Bio Suisse» aber nicht. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau schlägt vor, Bio-Kühe auf Alpen abgetrennt von der übrigen Herde auf garantiert unbehandelten Flächen grasen zu lassen. Auf einzelnen Alpen wie etwas der Alp Gamperdun im Glarnerischen Elm werde das schon heute praktiziert. «Bio Suisse» wolle ihren Bauern diese Lösung aber nicht vorschreiben, so «Saldo».

Dass es auch anders geht, zeigt unser Nachbarland Österreich. 98 Prozent der Alpbetreiber verzichten auf jeglichen Pestizideinsatz. Dies vor allem, weil sie nur so Anrecht auf Unterstützungsgelder haben. (dak)

Erstellt am: 14. September 2021